Bisher ist es so, dass nur 21.000 von 140.000 behinderten Kindern in Nordrhein-Westfalen auf eine Regelschule gehen - also nur jedes siebte Kind. Die meisten behinderten Kinder werden auf eine Förderschule geschickt, wo sie nur mit anderen behinderten Kindern zusammen lernen.
Die Politiker in der Landesregierung wollten das schnell ändern und bis zum nächsten Sommer das Recht auf gemeinsamen Unterricht für alle umsetzen. Doch das klappt nun nicht wie geplant.
Warum sollen die neuen Regeln erst ab dem übernächsten Schuljahr gelten?
Der Grund: es hat zu viele Proteste gehagelt. Und das gleich von mehreren Seiten. Da wären einmal die Eltern von Kindern mit einer Behinderung. Sie sagen, dass ihre Kinder an einer Regelschule noch nicht optimal gefördert werden können. Viele Lehrer wissen gar nicht, wie sie einen gemeinsamen Unterricht für Kinder mit und ohne Behinderung abhalten sollen.
Die Eltern sagen auch, dass es viel zu wenig Sonderpädagogen in den Klassen gibt, um die Lehrer in den Regelschulen zu unterstützen. Hilfe ist zum Beispiel notwendig, wenn ein Kind im Rollstuhl sitzt, aber auch, wenn ein Kind geistig behindert ist und für manche Aufgaben einfach länger braucht.
Und die Lehrer der Regelschulen müssen sich für alle Kinder spezielle Aufgaben ausdenken.
Kein Geld für gemeinsamen Unterricht
Auch die Städte in Nordrhein-Westfalen haben dagegen protestiert, dass das Recht auf gemeinsames Lernen schon im kommenden Jahr umgesetzt wird. Sie sind für die Schulen verantwortlich und sagen, dass sie ganz viel Geld ausgeben müssten, wenn an den Schulen extrem viele Sonderpädagogen eingestellt werden.
Die Städte sagen: Unsere Kassen sind leer. Wenn die Landesregierung die Regeln ändern will, dann soll sie uns auch Geld geben, damit wir die Sonderpädagogen bezahlen können.
Aus Sorge, dass man den Kindern mit Behinderung so nicht gerecht werden kann, hat sich die Regierung nun ein Jahr mehr Zeit verschafft. Denn an dem Ziel, dass alle Kinder gemeinsam unterrichtet werden, ob mit oder ohne Behinderung, hält sie weiter fest. In anderen Ländern in Europa ist es übrigens längst normal, dass behinderte und nicht-behinderte Kinder gemeinsam zur Schule gehen.
Stand: 21.12.2012, 14:30 Uhr
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